Saftkur: Was sie bringt und für wen sie nichts ist
Bei einer Saftkur trinkst du einige Tage nur frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte, meist sechs Flaschen am Tag. Dass sie den Körper entgiftet, ist laut Verbraucherzentrale nicht belegt. Kurzfristig sinkt das Gewicht, weil du wenig isst. Schwangere, Stillende und Menschen mit Essstörungen oder schwerer Nierenerkrankung sollten laut Fasten-Leitlinie verzichten. Gesunde Erwachsene können es ausprobieren, das ist unsere Einschätzung.
Von Sergej Gerber · aktualisiert am 22.10.2026
Hier steht, was die Forschung zu Saftkuren wirklich hergibt (nicht viel) und was die Anbieter am 22.10.2026 verlangten. Außerdem, wie du entscheidest, ob du es selbst machst.
Was ist eine Saftkur?
Eine Saftkur ersetzt für ein bis sieben Tage das Essen durch Säfte. Die fertigen Kuren der großen Anbieter sehen fast gleich aus: sechs Flaschen am Tag mit 250 bis 330 ml, dazwischen Wasser oder Tee. Laut den Shops von Berioo, Kale&Me und frank juice kommst du damit auf etwa 690 bis 930 kcal am Tag, je nach Anbieter und Variante.
Saftfasten wird oft als anderes Wort dafür benutzt. Streng genommen ist es enger. Beim ärztlich begleiteten Heilfasten nach Buchinger gibt es laut der Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) am Tag 0,25 Liter Saft und 0,25 Liter Gemüsebrühe, dazu Tee und Wasser. Fasten heißt dort insgesamt etwa 250 bis 500 kcal am Tag. Eine handelsübliche Saftkur liefert also deutlich mehr Energie als echtes Fasten.
Entgiftet eine Saftkur den Körper?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. Die Verbraucherzentrale schreibt, dass sich im gesunden Körper keine „Schlacken“ ansammeln. Leber und Nieren sind die Hauptentgiftungsorgane und arbeiten beim gesunden Menschen zuverlässig. Zu Detox-Fastenkuren mit Saft- und Suppentagen heißt es dort: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass du dadurch mehr Giftstoffe ausscheidest.
Eine Übersichtsarbeit im Journal of Human Nutrition and Dietetics kam 2015 zum gleichen Ergebnis. Die wenigen Studien zu kommerziellen Detox-Diäten hatten methodische Mängel und sehr kleine Gruppen. Randomisierte kontrollierte Studien am Menschen fanden die Autoren keine.
Wer eine Saftkur macht, sollte das also aus anderen Gründen tun. Etwa, weil du ein paar Tage bewusst anders essen willst oder neugierig bist, wie sich das anfühlt.
Kann man mit einer Saftkur abnehmen?
Kurzfristig ja, dauerhaft ist das nicht belegt. Die Waage zeigt weniger, weil du für ein paar Tage wenig Energie aufnimmst. Ob man auf diesem Weg dauerhaft echtes Körperfett verliert, dazu gibt es laut Verbraucherzentrale keine wirkliche Studie.
Eine kleine Studie der University of California in Los Angeles hat es 2017 gemessen. 20 Erwachsene tranken drei Tage nur Saft, sechs Flaschen mit zusammen rund 1.310 kcal am Tag. Danach wogen sie im Schnitt 1,7 kg weniger. Zwei Wochen später, wieder mit normalem Essen, waren davon noch 0,9 kg übrig. Eine Vergleichsgruppe gab es nicht.
Mehr als ein Anstoß ist eine Saftkur beim Abnehmen nicht, so sehen wir das. Laut Verbraucherzentrale gleicht eine Detox-Kur eine sonst ungünstige Ernährung nicht aus.
Was hat die Studie aus 2025 gezeigt?
Ein Team der Northwestern University hat 2025 in der Fachzeitschrift Nutrients untersucht, wie drei Tage Saft die Bakterien im Mund und im Darm verändern. Ausgewertet wurden 14 junge Erwachsene in drei Gruppen: nur Saft (800 bis 900 kcal am Tag), Saft plus normales Essen und pflanzliche Vollwertkost.
- Im Mund verschoben sich die Bakterien schnell. In den Saftgruppen nahmen Familien zu, die mit Entzündungen in Verbindung stehen. Die Autoren vermuten als Grund viel Zucker und wenig Ballaststoffe.
- Im Darm blieb die Zusammensetzung insgesamt stabil. Einzelne Gruppen, die mit Entzündung und Darmdurchlässigkeit in Verbindung gebracht werden, nahmen tendenziell zu, statistisch gesichert war das nicht.
Das Fazit der Autoren ist vorsichtig: Kurzzeitig nur Saft zu trinken „könnte“ die Bakterienflora ungünstig beeinflussen. Mit 14 Personen und drei Tagen ist die Studie sehr klein, das sagen die Forschenden selbst. Ihr Rat aus der Pressemitteilung: Wer gern Saft trinkt, kann stattdessen mixen, dann bleiben die Ballaststoffe drin. Oder Saft zusammen mit fester Nahrung trinken.
Was sagt die DGE zu Saft?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat keine eigene Empfehlung zu Saftkuren veröffentlicht, die wir finden konnten. Zu Saft im Alltag ist sie deutlich. Sie rät zu mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Saft zählt nicht als Portion, sondern kommt zusätzlich dazu: Im Lauf der Woche können es zwei Gläser zu je 200 ml sein, frisch oder als Schorle aus einem Teil Saft und drei Teilen Wasser. Säfte liefern laut DGE weniger Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe als ganzes Obst und machen weniger satt.
Eine Saftkur mit knapp zwei Litern am Tag liegt also weit über dem, was die DGE für normale Ernährung vorsieht. Für ein paar Tage muss das kein Problem sein, schätzen wir. Als Dauerlösung taugt es nicht. Mehr zu frischem Saft im Alltag steht unter Ist Entsaften gesund?.
Für wen ist eine Saftkur nicht geeignet?
Für Schwangere und Stillende, Menschen mit Essstörungen und Menschen mit fortgeschrittener Nieren- oder Lebererkrankung. So steht es in der Fasten-Leitlinie der ÄGHE. Sie gilt für ärztlich begleitetes Heilfasten mit noch weniger Energie, ist aber die beste verfügbare Orientierung. Dort sind als Ausschlussgründe genannt:
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Magersucht und andere Essstörungen, Auszehrung (Kachexie)
- fortgeschrittene Leber- oder Nierenschwäche
- nicht eingestellte Schilddrüsenüberfunktion
- fortgeschrittene Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Demenz
Nur mit erfahrener ärztlicher Begleitung kommen laut Leitlinie unter anderem Menschen mit Typ-1-Diabetes, Suchterkrankungen, Psychosen, schwerer Herzerkrankung, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder Krebs infrage.
Die Leitlinie nennt außerdem Mittel, die beim Fasten angepasst werden müssen. Dazu gehören Blutdrucksenker, Mittel gegen Diabetes, Gerinnungshemmer, Kortison, Schmerzmittel wie Ibuprofen, Psychopharmaka und Mittel gegen Epilepsie. Die Pille wirkt beim Fasten eingeschränkt. Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Zu den Nieren: In Fachzeitschriften sind Einzelfälle beschrieben, in denen Menschen nach einer Saftkur ein akutes Nierenversagen durch Oxalat bekamen. Eine 65-Jährige hatte grüne Säfte aus viel Blattgemüse getrunken, ein 85-Jähriger mit Diabetes eine Woche lang vor allem Granatapfelsaft. Beide hatten Risikofaktoren: die Frau einen früheren Magenbypass und eine lange Antibiotikabehandlung, der Mann Alter, Diabetes, Flüssigkeitsmangel und eine vorbestehende Nierenschwäche. Das sind Einzelfälle, wie häufig so etwas vorkommt, weiß niemand. Wer Nierenprobleme hat, sollte die Kur deshalb nicht auf eigene Faust machen.
Die Anbieter schließen ähnliche Gruppen aus. Berioo nennt auf seiner Shopseite Schwangere, Stillende und unter 18-Jährige. Bei Diabetes, Nierenstörungen, Essstörungen oder Medikamenten soll die Kur dort nur nach ärztlicher Rücksprache laufen. frank juice nennt Schwangere, Stillende, Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und mit Essstörungen.
Welche Saftkur ist die beste?
Die beste Saftkur gibt es nicht, auch nicht die beste Saftkur zum Abnehmen, weil niemand Saftkuren unabhängig verglichen hat. Was du vergleichen kannst, steht auf den Shopseiten: Preis pro Tag, Kalorien, wie viel Gemüse drin ist und ob Vitamine zugesetzt sind.
Bei den fünf Versendern, die wir uns angesehen haben, kostet ein Kurtag laut Shop zwischen 16 € (Berioo) und 39 € (Bergblut), alle liefern sechs Flaschen am Tag. Preise, Bio-Siegel, Haltbarmachung und Versand je Anbieter stehen im Saftkur Vergleich.
Worauf du schauen kannst:
- Mehr Gemüse als Obst ist die bessere Wahl. Fruchtsaft ist zuckerreich, und die Northwestern-Forschenden vermuten genau darin einen Grund für die Veränderungen im Mund.
- frank juice setzt einigen Säften Vitamine oder Zink zu. Das steht in den Zutatenlisten. Ob du das willst, entscheidest du.
- Etiketten sind keine Garantie. Die Stiftung Warentest fand 2021 in einem Ingwer-Shot von Kale&Me kein Vitamin C, obwohl der Hersteller mit Vitamin C warb. Das betraf den Shot, nicht die Saftkur, zeigt aber, dass Werbeversprechen und Inhalt auseinandergehen können.
Saftkur selber machen oder kaufen?
Selber machen kostet vor allem Zeit und ein Gerät. Sechs Säfte am Tag heißt: jeden Tag waschen, schneiden, pressen, danach das Gerät reinigen. Dafür bestimmst du selbst, wie viel Gemüse drin ist, und zahlst nur für Obst und Gemüse.
Für grüne Säfte lohnt ein Slow Juicer. In einer Laborstudie von 2020 holten zwei Slow Juicer aus Spinat 41,7 und 56,9 Prozent Saft heraus, die Zentrifuge nur 27,7 Prozent. Eine hydraulische Presse schaffte 70,9 Prozent. Welche Geräte sich lohnen, steht im Slow-Juicer-Vergleich. Fertigkuren sind per Hochdruck haltbar gemacht und halten gekühlt mehr als eine Woche, laut Kale&Me mindestens zehn Tage ab Erhalt. Frisch gepresster Saft hält deutlich kürzer, Details unter Wie lange hält frisch gepresster Saft?.
Die Anleitung mit Gerät, Rezepten und Kosten findest du unter Saftkur selber machen.
Wie lange sollte eine Saftkur dauern?
Eine offizielle Empfehlung für Saftkuren gibt es nicht. Die Fertigkuren gibt es meist für einen, drei, fünf oder sieben Tage. Drei Tage sind der übliche Einstieg. So lange liefen auch beide Studien oben.
- 3 Tage Saftkur: Plan, Rezepte und Einkaufsliste
- 5 Tage Saftkur: was anders ist und worauf du achten musst
- 7 Tage Saftkur: was die Waage zeigt und welche Risiken wachsen
Je länger du nur Saft trinkst, desto größer werden die Lücken bei Eiweiß und Fett. Die Verbraucherzentrale warnt, dass Diäten mit wenigen hundert Kalorien am Tag nicht zu lange laufen sollten, weil sonst wichtige Nährstoffe fehlen.
Häufige Fragen
Ist Saftfasten das Gleiche wie eine Saftkur?
Im Alltag meinen die meisten dasselbe. Beim ärztlichen Heilfasten gibt es aber nur ein Glas Saft (0,25 l) am Tag, dazu Gemüsebrühe, insgesamt 250 bis 500 kcal. Eine gekaufte Saftkur liefert etwa 690 bis 930 kcal.
Wie viel nimmt man bei einer Saftkur ab?
In der Studie aus Los Angeles waren es nach drei Tagen im Schnitt 1,7 kg, zwei Wochen später blieben 0,9 kg. Das ist eine kleine Studie ohne Vergleichsgruppe.
Ist eine Saftkur gesund?
Einen belegten Nutzen für die Gesundheit gibt es nicht. Für gesunde Erwachsene halten wir ein paar Tage für vertretbar, eine Studie, die das Risiko misst, gibt es aber nicht. Die DGE setzt im Alltag auf fünf Portionen Obst und Gemüse und sieht Saft nur als Zugabe.
Was sind typische Beschwerden während der Kur?
Die Verbraucherzentrale nennt Müdigkeit und schlechte Konzentration. Berioo führt auf der Shopseite Kopfschmerzen, Müdigkeit und Frieren als mögliche Begleiterscheinungen auf. Unser Rat: Wenn dir schwindelig oder richtig schlecht wird, hör auf und iss etwas.
Wie oft im Jahr kann man eine Saftkur machen?
Dazu gibt es keine Empfehlung einer Fachgesellschaft. Wir nennen deshalb keine Zahl.
Dieser Text ist kein medizinischer Rat. Wenn du schwanger bist oder stillst, Medikamente nimmst, Diabetes, eine Nieren- oder Lebererkrankung oder eine Essstörung hast oder hattest, sprich vor einer Saftkur mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.