Entsafter-Ratgeber

Slow Juicer oder Entsafter? Der Unterschied erklärt

Slow Juicer oder Entsafter? Eine Zentrifuge reibt das Obst mit einigen Tausend Umdrehungen pro Minute und schleudert den Saft heraus. Ein Slow Juicer presst es mit einer Schnecke bei etwa 40 bis 60 Umdrehungen. Bei Äpfeln und Möhren liegen beide oft nah beieinander. Bei Blattgrün holen Slow Juicer und Pressen deutlich mehr Saft heraus.

Von Sergej Gerber · aktualisiert am 22.10.2026

Im Alltag steht „Entsafter“ meist für die schnelle Zentrifuge, „Slow Juicer“ für die langsame Schneckenpresse. Genau genommen sind beides Entsafter. Dazu kommen drei Bauarten, die seltener in Küchen stehen: die liegende Schnecke, die Doppelschnecke und die Hydraulikpresse. Wir haben die Geräte nicht selbst ausprobiert. Was hier steht, stammt aus Labortests, einer Studie und Herstellerangaben, die Liste ist am Ende.

Wie funktioniert ein Entsafter?

Jeder Entsafter macht zwei Dinge: zerkleinern und pressen. Das beschreibt die Studie von Mark Donaldson aus dem Jahr 2020, die sechs Bauarten verglichen hat. Wird schlecht zerkleinert, bleibt Saft in den Zellen und landet im Trester. Wird schlecht gepresst, ist der Trester noch feucht und lässt sich in der Hand ausdrücken. Die Bauarten unterscheiden sich darin, wie sie diese zwei Schritte lösen.

Bauart Arbeitsweise Drehzahl laut Studie bzw. Hersteller
Zentrifuge Reibscheibe zerkleinert, Fliehkraft drückt den Saft durchs Sieb 3.600 U/min (Jack LaLanne, Donaldson 2020)
Vertikale Schnecke (Slow Juicer) Schnecke schneidet, quetscht und drückt gegen ein Sieb 48 U/min (NuWave, Donaldson 2020), 43 bis 50 U/min (Hurom H320N)
Horizontale Schnecke liegende Schnecke presst das Gut durch ein Sieb nach vorn 60 U/min (Nutrilovers Green-Press MAX)
Doppelschnecke zwei gegenläufige Zahnräder zerdrücken, danach Schneckenpresse 110 U/min (Green Star Elite, Donaldson 2020)
Hydraulikpresse erst fein mahlen, dann im Tuch oder Beutel hydraulisch pressen Mahlwerk 3.450 U/min, Pressen im Stapel (Norwalk, Pure Juicer)

Zentrifuge

Bei der Zentrifuge reibt eine schnell drehende Scheibe das Obst klein. Ein Siebkorb dreht sich mit, die Fliehkraft drückt den Saft nach außen durch das Sieb, der Trester wird über den Rand in einen Behälter geworfen. Das geht schnell. Die britische Verbraucherorganisation Which? schreibt, dass Zentrifugen günstiger sind, schneller fertig werden, aber lauter arbeiten und mehr Schaum machen. Für weiches Obst wie Beeren und für Blattgemüse eignen sie sich laut Which? weniger.

Blick in eine Zentrifuge von oben: Reibscheibe in der Mitte, ringsum das feine Sieb

Zentrifuge von oben: In der Mitte die Reibscheibe, außen das Sieb, durch das der Saft geschleudert wird. Eigenes Foto, 2014

Was ist ein Slow Juicer? Die vertikale Schnecke

Ein Slow Juicer ist ein Entsafter mit einer langsam drehenden Pressschnecke. Bei den stehenden Geräten sitzt die Schnecke senkrecht in einem Siebkorb und dreht sich mit 40 bis 60 Umdrehungen pro Minute. Sie schneidet das Obst, quetscht es und drückt es gegen das Sieb. Unten läuft der Saft heraus, an einer zweiten Öffnung der Trester. Manche Modelle haben einen großen Schacht, beim Hurom H320N sind es 136 mm, da passen ganze Äpfel hinein. Eine breite Öffnung von 12 cm haben auch die Slow Juicer MJ-L800 und MJ-L900 von Panasonic.

Horizontale Schnecke

Hier liegt die Schnecke waagerecht und schiebt das Gut nach vorn durch ein Sieb, ähnlich wie ein Fleischwolf. Der Nutrilovers Green-Press MAX arbeitet so mit 60 Umdrehungen pro Minute. Labormessungen zu liegenden Geräten haben wir nicht gefunden. Die F.A.Z. hat 2024 einen liegenden Slow Juicer mit je 500 g ausprobiert und kam auf 80 % Saft bei Orangen, 60 % bei Äpfeln und 50 % bei Karotten. Das war ein einzelner Durchgang ohne Wiederholung.

Doppelschnecke

Doppelschnecken-Entsafter haben zwei Zahnräder, die gegeneinander laufen. Sie zerdrücken das Gut zwischen sich und pressen den Saft dann in einem Schneckenteil durch ein feines Sieb. Ein Beispiel ist der Green Star von Tribest, der in der Studie mit 110 Umdrehungen lief. Zwei Edelstahlschnecken hat auch der Angel Juicer aus Südkorea.

Hydraulikpresse

Die Hydraulikpresse arbeitet in zwei Schritten. Ein Mahlwerk macht aus dem Gemüse einen feinen Brei. Den füllst du in ein Presstuch oder einen Beutel, und eine hydraulische Presse drückt den Saft heraus. Das ist Arbeit in Portionen, nicht im Durchlauf. In der Studie lagen diese Pressen bei fast jeder Sorte vorn. Ein Standmixer mit anschließender Presse kam bei Möhren sogar auf 83 %.

Slow Juicer vs Entsafter: Was zeigen die Messungen?

Bei Äpfeln ist der Abstand klein, bei Spinat riesig. Das ist das Ergebnis der Studie von 2020, in der jede Sorte mindestens viermal in 1-kg-Portionen entsaftet wurde. Die Werte sind Saftgewicht in Prozent vom Ausgangsgewicht:

Bauart (Gerät in der Studie) Spinat Äpfel Möhren
Zentrifuge (Jack LaLanne) 27,7 % 70,6 % 44,3 %
Vertikale Schnecke (NuWave) 41,7 % 77,5 % 41,1 %
Schnelllaufender Kau-Entsafter (Champion) 42,8 % 71,6 % 52,6 %
Doppelschnecke (Green Star Elite) 56,9 % 82,3 % 54,1 %
Hydraulikpresse (Norwalk) 69,8 % 82,7 % 56,5 %
Hydraulikpresse (Pure Juicer) 70,9 % 87,3 % 65,2 %

Bei Spinat holte die beste Presse also mehr als doppelt so viel Saft heraus wie die Zentrifuge. Bei Äpfeln lagen zwischen Zentrifuge und vertikalem Slow Juicer rund sieben Prozentpunkte. Bei Möhren war die Zentrifuge sogar etwas besser als der vertikale Slow Juicer.

Wichtig für die Einordnung: Die Studie hat jeweils nur ein Gerät pro Bauart geprüft und wurde von der Rohkost-Organisation Hallelujah Diet bezahlt, der Pure Juicer war eine Leihgabe des Herstellers. Andere Labortests passen aber ins Bild. Das Schweizer Magazin saldo gab 2016 Zentrifugen und Slow Juicern bei Äpfeln ähnlich gute Noten. Und Which? fand, dass das beste Gerät nur etwa 19 % mehr Saft holt als das schlechteste, manche Zentrifugen sogar so viel wie Slow Juicer. Alle Werte mit Methode stehen im Messwerte-Archiv.

Unterschied Entsafter und Slow Juicer im Alltag

Neben der Ausbeute zählt, wie sich das Gerät jeden Tag anfühlt. So fassen Which? und die übrigen Quellen die Unterschiede zusammen:

Zentrifuge Slow Juicer
Tempo schneller laut Which? meist nur ein bis zwei Minuten langsamer
Vorbereitung großer Schacht, wenig schneiden bei vielen Modellen kleiner schneiden, Ausnahme Großschacht-Geräte
Lautstärke lauter leiser
Schaum meist deutlich Schaum weniger Schaum, glatterer Saft
Blattgrün schwach (Spinat 27,7 %) besser (Spinat 41,7 bis 56,9 %)
Reinigung laut Which? eher mühsamer laut Which? eher einfacher
Preis meist günstiger meist teurer

Gegen Schaum hilft bei beiden ein feines Sieb, mehr dazu unter Schaum auf dem Saft vermeiden. Wenn sich beim Slow Juicer Sellerie um die Schnecke wickelt oder das Sieb dicht ist, hilft die Seite Entsafter verstopft.

Ist Saft aus dem Slow Juicer gesünder?

Belegt ist das nicht. Die australische Verbraucherorganisation CHOICE hat früher den Saft aus verschiedenen Geräten im Labor auf Nährstoffe untersuchen lassen. Ihr Ergebnis: Keine Bauart schnitt dabei besser oder schlechter ab. Which? schreibt nur, dass ein Slow Juicer „in der Theorie“ weniger Luft in den Saft bringt. Die Studie von 2020 hat Enzyme gemessen, keine Vitamine. Wer wegen der Gesundheit zum teureren Gerät greift, kauft also eher die bessere Ausbeute bei Grünzeug als einen nachgewiesen gesünderen Saft.

Welches Gerät passt zu dir?

Welche Geräteart zu deinem Einsatz passt, klärt die Entsafter Kaufberatung. Welche Hersteller welche Bauart anbieten, zeigt die Übersicht der Entsafter-Marken. Weitere Gegenüberstellungen wie Dampfentsafter oder Entsafter findest du unter Entsafter-Vergleiche.

Was übrig bleibt, musst du nicht wegwerfen: Ideen für den Trester stehen unter Trester verwerten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Entsafter und Slow Juicer?

Ein klassischer Entsafter ist eine Zentrifuge: Er reibt das Obst mit Tausenden Umdrehungen klein und schleudert den Saft heraus. Ein Slow Juicer presst mit einer langsamen Schnecke bei etwa 40 bis 60 Umdrehungen pro Minute. Er ist leiser, macht weniger Schaum und holt bei Blattgrün mehr Saft heraus.

Holt ein Slow Juicer mehr Saft heraus?

Bei Blattgrün deutlich, bei Äpfeln und Möhren kaum. In der Studie von 2020 kam die Zentrifuge bei Spinat auf 27,7 %, der vertikale Slow Juicer auf 41,7 %. Bei Äpfeln lagen sie bei 70,6 und 77,5 %.

Ist eine Zentrifuge schlecht für die Vitamine?

Belegt ist das nicht. Bei den Nährstoffanalysen von CHOICE schnitt keine Bauart besser oder schlechter ab. Dass Zentrifugensaft mehr Schaum und damit mehr Luft hat, stimmt. Ob das messbar Vitamine kostet, wissen wir nicht. Wir würden ihn trotzdem gleich trinken, das ist unsere Einschätzung.

Was ist besser für Sellerie?

Ein Slow Juicer. In der Studie holte die Zentrifuge 67,3 % aus Sellerie, der vertikale Slow Juicer 76,5 % und die Doppelschnecke 85,4 %.

Was ist ein Kau-Entsafter?

So heißen Geräte, die das Gut mit einer Schnecke oder einem Zahnrad zerkauen statt zerreiben, also im Grunde alle Slow Juicer. Der Champion aus der Studie ist ein Sonderfall: Er kaut mit 1.725 Umdrehungen und liegt damit zwischen Zentrifuge und Slow Juicer.

Dieser Text ist kein medizinischer Rat. Er vergleicht Geräte, nicht die Wirkung von Saft auf die Gesundheit.