Entsafter-Ratgeber

Brennnesselsaft selber machen

Für Brennnesselsaft pflückst du mit Handschuhen junge Brennnesselblätter, wäschst sie gründlich und presst 150 g davon mit zwei Äpfeln im Slow Juicer aus. Selbst gemachter Brennnesselsaft ist ein Lebensmittel. Den Presssaft aus der Apotheke gibt es als traditionelles pflanzliches Arzneimittel, seine Anwendung beruht auf Erfahrung, nicht auf Studien.

Von Sergej Gerber · aktualisiert am 22.10.2026

Zeit
30 Minuten
Menge
ca. 1 Glas (200 ml)
Gerät
Slow Juicer
Glas Brennnesselsaft mit jungen Brennnesseln, Äpfeln und Zitrone
KI-generiertes Bild

Brennnesselsaft gibt es fertig im Reformhaus. Brennnesselsaft selber machen geht aber auch. Das Kraut wächst fast überall. Dieser Text bleibt bewusst kurz, weil zur Wirkung von selbst gepresstem Saft wenig Belastbares existiert.

Zum Pflücken brauchst du Einweg- oder Gartenhandschuhe.

Zubereitung mit dem Slow Juicer

  1. Mit Handschuhen die oberen, zarten Blätter abzupfen. Harte Stängel aussortieren.
  2. Blätter in einer Schüssel mit kaltem Wasser gründlich waschen, Wasser zweimal wechseln.
  3. Äpfel vierteln, Zitrone schälen.
  4. Blätter zu kleinen Päckchen rollen und im Wechsel mit Apfelstücken in den Slow Juicer geben. Zum Schluss Apfel nachschieben.
  5. Zitrone mitpressen, umrühren und gleich trinken.

Wer Brennnesseln entsaften will, braucht Geduld. Das Rollen und den Wechsel mit Obst empfiehlt Nutrilovers in seiner Anleitung für Blattgrün allgemein. Aus Blättern allein kommt wenig Saft. Wie viel genau, haben wir nicht gemessen. Für den Presssaft aus der Apotheke gibt Schoenenberger das Verhältnis Kraut zu Saft mit 1 : 0,55 bis 0,82 an. Das sind industrielle Pressen, zu Hause wird es weniger.

Eine Zentrifuge ist für Blätter die schlechteste Wahl. Warum, steht beim grünen Saft mit Messwerten zu Spinat. Geräte findest du im Slow-Juicer-Vergleich.

Für Brennnesseln: Slow Juicer

Presst Blätter im Wechsel mit Apfel aus. Zentrifugen holen aus Blattgrün wenig heraus.

Zum Vergleich →

Brennnesseln sicher sammeln

Sammle nur, wo du dir sicher bist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt bei Wildkräutern allgemein vor Verwechslungen, die schwere bis tödliche Vergiftungen auslösen können. Die Brennnessel erkennst du an den Brennhaaren, die sofort brennen. Die ähnlich aussehende Taubnessel hat laut BZfE keine Brennhaare, daher der Name, und ist selbst ein essbares Wildkraut.

Das BfR weist außerdem auf Verunreinigungen durch Tierkot hin, in manchen Regionen auch auf Eier des Fuchsbandwurms. Für Kinder, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem rät es deshalb, Wildkräuter in Smoothies wegzulassen. Wir halten das bei rohem Saft genauso und sammeln nicht an Straßen, Feldrändern und Hundewiesen.

Erlaubt ist das Sammeln laut Bundesnaturschutzgesetz in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf, pfleglich und nur dort, wo kein Betretungsverbot gilt. Schutzgebiete haben oft eigene Verbote. Wir lassen dort die Finger davon.

Was ist in Brennnesseln drin?

Rohe Brennnesseln sind laut Bundeslebensmittelschlüssel erstaunlich nährstoffreich. Je 100 g nennt der BLS 333 mg Vitamin C, 713 mg Calcium, 475 mg Kalium, 4,1 mg Eisen, 7,4 g Eiweiß und 499 µg Vitamin K. Wie viel davon den Weg in den Saft findet, wurde nicht gemessen. Ein Teil bleibt sicher im Trester.

Das viele Vitamin K ist wichtig für alle, die Gerinnungshemmer nehmen. MedlinePlus rät bei Warfarin zu gleichbleibenden Mengen Vitamin-K-haltiger Lebensmittel und warnt vor großen Mengen grünem Blattgemüse.

Brennnesselsaft Wirkung: Was ist belegt?

Belegt im Sinne von Studien ist wenig. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Brennnesselblätter als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Das heißt: Die Anwendung stützt sich auf langjährige Erfahrung, nicht auf klinische Nachweise. Die Monographie von 2010 nennt zwei Anwendungsgebiete: zur Linderung leichter Gelenkschmerzen und zur Erhöhung der Harnmenge, um bei leichten Harnwegsbeschwerden die Harnwege durchzuspülen. Sie gilt für Tee und Extrakte aus getrockneten Blättern.

Der Presssaft von Schoenenberger ist als traditionelles pflanzliches Arzneimittel mit denselben Anwendungsgebieten im Handel, laut Pflichtangabe „ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung“. Erwachsene nehmen laut Hersteller dreimal täglich 10 ml, traditionell über 2 bis 4 Wochen, bei Gelenkschmerzen nicht länger als 4 Wochen. Unter 18 Jahren ist er nicht vorgesehen. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 9,99 Euro für 200 ml.

Selbst gepresster Saft ist kein Arzneimittel. Er hat keine geprüfte Menge und keine bekannte Dosis. Wer Beschwerden hat, sollte nicht auf den Saft aus dem Garten setzen.

Wer vorsichtig sein sollte

Die EMA-Monographie nennt zwei Gegenanzeigen: eine Überempfindlichkeit gegen Brennnessel und Erkrankungen, bei denen weniger getrunken werden soll, etwa schwere Herz- oder Nierenerkrankungen. Für Kinder unter 12 Jahren und in Schwangerschaft und Stillzeit rät sie ab, weil Daten fehlen. Als Nebenwirkungen beschreibt sie leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall und Hautreaktionen wie Juckreiz.

Wie lange hält Brennnesselsaft?

Selbst gepressten Brennnesselsaft trinkst du sofort oder spätestens abends. Für grüne Smoothies mit Blattgrün rät das BfR zu höchstens 7 Grad und zum Verbrauch am Tag der Herstellung. Den fertigen Presssaft aus dem Handel kannst du laut Hersteller nach dem Öffnen zwei Wochen im Kühlschrank lagern. Allgemeines dazu unter Haltbarkeit von frisch gepresstem Saft.

Häufige Fragen

Ist selbst gepresster Saft dasselbe wie der aus dem Reformhaus?

Nein. Der Handelssaft ist ein Arzneimittel mit festgelegter Herstellung und Dosierung. Dein Saft aus dem Garten ist ein Lebensmittel, wie viel darin steckt, weiß niemand.

Kann ich auch Löwenzahn mitpressen?

Ja, als Wildkraut gelten dieselben Regeln. Mehr dazu im Lexikon unter Löwenzahn.

Warum Apfel im Rezept?

Er schiebt die Blätter durch die Schnecke und macht den herben Geschmack milder. Mehr zum Apfel als Saftbasis steht unter Apfel.

Dieser Text ist kein medizinischer Rat. Brennnesselsaft ersetzt keine Behandlung. Wenn du Herz- oder Nierenprobleme hast, Gerinnungshemmer nimmst, schwanger bist oder stillst, frag vor dem Trinken deine Ärztin oder deinen Arzt.