Entsafter-Ratgeber

Kartoffel

Kartoffelsaft wird aus rohen Kartoffeln gepresst. Rohe Knollen enthalten Solanin, vor allem in Schale, Keimen und grünen Stellen, und beim Pressen bleibt davon alles im Saft. Deshalb nur frische, geschälte Kartoffeln ohne grüne Stellen entsaften und bitteren Saft wegschütten. Eine belegte Heilwirkung hat Kartoffelsaft nicht.

Von Sergej Gerber · aktualisiert am 22.10.2026

Saison
ganzjährig, frisch Juni–Nov.
Kalorien
83 kcal je 100 g (roh, geschält)
Solanin
vor allem in Schale, Keimen, grünen Stellen
Kartoffeln lagern
dunkel, 7–10 °C, kein Kühlschrank

Was ist dran an Kartoffelsaft als Hausmittel?

Wenig, soweit es Belege angeht. Studien, die eine Wirkung von selbst gepresstem Kartoffelsaft zeigen, haben wir nicht gefunden. Den Saft aus der Apotheke (Schoenenberger) gibt es als traditionelles pflanzliches Arzneimittel. Laut Gebrauchsinformation ist er „ausschließlich auf Grund langjähriger Anwendung“ registriert, also nicht wegen nachgewiesener Wirkung. Für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende empfiehlt der Hersteller ihn mangels Daten nicht.

Wer Magenbeschwerden hat, die häufig oder länger auftreten, lässt das ärztlich abklären. Ein Hausmittel ersetzt das nicht.

Solanin: warum rohe Kartoffeln heikel sind

Das Solanin in der Kartoffel gehört zu den Glykoalkaloiden, neben ihm kommt vor allem Chaconin vor. Diese Stoffe schützen die Pflanze vor Schädlingen. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sitzen sie größtenteils in der Schale und gehäuft in Keimen und „Augen“. Grüne Stellen deuten auf mehr Solanin hin.

Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) nennt die Schwelle: Vergiftungen können ab etwa 1 mg Solanin je Kilogramm Körpergewicht auftreten. Frische Kartoffeln enthalten im Schnitt weniger als 100 mg je Kilogramm. Das BfR empfiehlt Gehalte unter 100 mg je Kilogramm. Anzeichen einer leichten Vergiftung sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall, ein bitterer Geschmack oder Brennen im Mund kann vorher warnen.

Solanin ist wasserlöslich und wird durch Hitze nicht zerstört (BZfE). Beim Kochen geht ein Teil ins Kochwasser über. Im rohen Saft bleibt dagegen alles drin, was in der Knolle steckt. Das BZfE rät von rohen Kartoffeln generell ab, wegen des Solanins und der schwer verdaulichen rohen Stärke. Wenn überhaupt, dann nur in sehr kleinen Mengen.

Für Kartoffelsaft heißt das:

Kartoffelsaft selber machen

Kartoffeln entsaften kannst du mit Slow Juicer und Zentrifuge, die harten Knollen machen beiden keine Mühe. So gehst du vor:

  1. Frische Kartoffeln ohne grüne Stellen und Keime auswählen.
  2. Schälen, Augen und grüne Stellen großzügig herausschneiden.
  3. In schachtgerechte Stücke teilen und nacheinander entsaften.
  4. Gleich trinken, nicht auf Vorrat pressen.

Im Glas setzt sich nach kurzer Zeit Stärke als weißer Bodensatz ab. Auch der Apothekensaft bildet laut Gebrauchsinformation Ausflockungen und soll vor Gebrauch geschüttelt werden. Wem der Geschmack pur zu erdig ist, der presst eine Karotte mit (mehr zur Karotte).

Ohne Entsafter klappt es mit einer feinen Reibe: Kartoffeln reiben und die Masse in einem sauberen Tuch auspressen. Mehr Wege zeigen wir unter Gemüse entsaften ohne Entsafter. Den Rest aus dem Tuch kannst du für Kartoffelpuffer nehmen, Ideen unter Trester verwerten.

Passendes Gerät: Slow Juicer

Geschälte Kartoffeln in Stücken einfüllen, den Saft gleich trinken.

Zum Vergleich →

Wie viel Saft eine Kartoffel ergibt, hat keine uns bekannte Messung erfasst. Aufheben solltest du Kartoffelsaft ohnehin nicht. Für andere Säfte gibt es Richtwerte unter Haltbarkeit von frisch gepresstem Saft.

Kartoffel Nährwerte je 100 g

Nährstoff Kartoffel geschält, roh (BLS 4.0)
Energie 83 kcal
Wasser 79,6 g
Eiweiß 1,9 g
Kohlenhydrate 17,9 g
davon Stärke 17 g
Ballaststoffe 1,4 g
Vitamin C 19 mg
Vitamin B6 0,16 mg
Kalium 381 mg
Magnesium 22 mg
Eisen 0,9 mg

Werte nach BLS 4.0. Kartoffelsaft hat dort keinen eigenen Eintrag. Wie viel Stärke und Kalium im Saft bleibt, hängt davon ab, wie lange du ihn stehen lässt und ob du den Bodensatz mittrinkst. Die Gebrauchsinformation des Apothekensafts nennt für 100 ml etwa 0,3 Broteinheiten.

Saison: wann gibt es Kartoffeln?

Kartoffeln gibt es das ganze Jahr. Heimische Frühkartoffeln kommen frisch geerntet ab Juni, spätere Sorten von August bis Oktober oder November (BZfE). Weil sie sich gut lagern lassen, bietet der Handel sie bis weit ins nächste Jahr an. Frühkartoffeln mit dünner Schale halten nicht lange.

JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez

Kartoffeln lagern

Kartoffeln mögen es dunkel, kühl, trocken und frostfrei. Das BZfE nennt für den Haushalt 7 bis 10 °C. Der Kühlschrank ist zu kalt: Dort wandelt sich Stärke in Zucker um, das verändert Geschmack und Konsistenz. Licht macht Kartoffeln grün, Wärme lässt sie keimen. Beides erhöht den Solaningehalt.

Kleine Mengen lagerst du in einer Papiertüte oder einem Jutesack, nicht in Folie. Die Verbraucherzentrale rät, Kartoffeln mit größeren grünen Stellen oder Trieben über 1 bis 2 cm nicht mehr zu essen.

Kartoffel-Allergie

Menschen mit Baumpollenallergie reagieren laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Munich häufig auch auf Kartoffeln. Bei Latexallergie führt der Dienst die Kartoffel ebenfalls als mögliche Kreuzreaktion.

Häufige Fragen

Hat Kartoffelsaft eine belegte Wirkung?

Nein. Der Apothekensaft ist nur aufgrund langjähriger Anwendung als traditionelles Arzneimittel registriert, nicht wegen Studien.

Ist roher Kartoffelsaft giftig?

Rohe Kartoffeln enthalten Solanin, vor allem in Schale, Keimen und grünen Stellen. Das BZfE rät von rohen Kartoffeln ab, wenn überhaupt, dann nur in sehr kleinen Mengen. Nimm frische, geschälte Knollen und trink bitter schmeckenden Saft nicht.

Wie lange hält Kartoffelsaft?

Selbst gepresst trinkst du ihn sofort. Der Apothekensaft hält angebrochen laut Hersteller im Kühlschrank zwei Wochen.

Kann ich Kartoffeln mit Schale entsaften?

Besser nicht. In der Schale sitzt laut BfR der größte Teil des Solanins.

Dieser Text ist kein medizinischer Rat. Häufige Magenbeschwerden gehören in ärztliche Hände. Für Kinder, Schwangere und Stillende raten wir von rohem Kartoffelsaft ab.