Entsafter-Ratgeber

Saft für Diabetiker: Worauf du beim Entsaften achten solltest

Saft für Diabetiker ist kein Verbot, aber ein Getränk mit Vorsicht. Fruchtsaft lässt den Blutzucker schnell steigen, deshalb wird er bei Unterzuckerung empfohlen. Sein Zucker zählt als „freier Zucker“, davon raten DDG, DGE und DAG zu höchstens rund 50 g am Tag. Gemüsesaft hat deutlich weniger Zucker, ganzes Obst schneidet in Studien besser ab als Saft.

Von Sergej Gerber · aktualisiert am 22.10.2026

Diese Seite gibt es seit 2015. Die alte Fassung empfahl rohe Kartoffeln, Zimt und Bohnenkochwasser im Saft, um den Blutzucker zu senken. Belege dafür haben wir nicht gefunden, zu Zimtkapseln schreibt die Verbraucherzentrale sogar ausdrücklich, dass eine Wirkung nicht belegt ist. Wir haben die Seite deshalb gekürzt und schreiben nur noch auf, was Fachstellen sagen. Deine Ernährung bei Diabetes besprichst du am besten mit deinem Diabetesteam oder einer Ernährungsberatung.

Dürfen Diabetiker Saft trinken?

Ja, aber Fruchtsaft gehört zu den Lebensmitteln, die man bewusst einplant. Das Diabetes-Informationsportal diabinfo.de, ein gemeinsames Angebot von Helmholtz Munich, dem Deutschen Diabetes-Zentrum und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, nennt Obst und Obstprodukte als Lebensmittel, die Menschen mit Typ-2-Diabetes in Maßen essen sollten. Zuckergesüßte Getränke sollten sie möglichst durch Wasser oder ungesüßten Tee ersetzen.

Wie schnell Saft wirkt, zeigt eine andere Empfehlung von diabinfo.de: Bei einer Unterzuckerung eignen sich zuckerhaltige Getränke wie Fruchtsaft, weil sie den Blutzucker schnell wieder anheben. Genau dieser Effekt ist im Alltag unerwünscht.

Freier Zucker: Warum auch frischer Saft zählt

Der Zucker in Fruchtsaft zählt zu den „freien Zuckern“, auch wenn der Saft frisch gepresst und ungesüßt ist. Das steht im gemeinsamen Konsensuspapier der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Die drei Fachgesellschaften empfehlen, weniger als 10 % der Kalorien aus freiem Zucker aufzunehmen. Bei 2.000 kcal am Tag sind das höchstens 50 g, also etwa 12 Teelöffel, wie diabinfo.de umrechnet. Der Zucker im ganzen Apfel zählt nicht dazu.

Zum Vergleich die Zuckerwerte aus dem Bundeslebensmittelschlüssel (BLS):

je 100 g Zucker
Apfelsaft 9,6 g
Orangensaft 8,5 g
Karottensaft 3,6 g
Tomatensaft (mit Salz) 2,9 g
Gurkensaft 1,6 g
Spinatsaft 0,3 g

Ein Glas Apfelsaft mit 200 ml bringt also rund 19 g Zucker mit, fast 40 % der 50 g. Die Gemüsesäfte außer Tomatensaft sind im BLS nach Rezept berechnet, nicht im Labor gemessen. Wer Gemüsesaft mag, findet ein Rezept in unserem Selleriesaft.

Saft oder ganzes Obst?

Ganzes Obst schneidet in der Forschung besser ab. In einer Auswertung von drei großen US-Langzeitstudien mit 187.382 Teilnehmenden, erschienen 2013 im British Medical Journal, ging ganzes Obst mit einem etwas niedrigeren Risiko für Typ-2-Diabetes einher, Fruchtsaft mit einem höheren: plus 8 % je drei Portionen pro Woche. Wer rechnerisch drei Portionen Saft pro Woche durch ganzes Obst ersetzte, hatte ein um 7 % niedrigeres Risiko.

Die Studie hat Menschen ohne Diabetes beobachtet und zeigt Zusammenhänge, keine Ursache. Für Menschen, die schon Diabetes haben, beantwortet sie die Frage nach Saft nicht direkt. Sie passt aber zu dem, was DGE und diabinfo.de schreiben: Ganzes Obst hat Ballaststoffe, und Ballaststoffe verlangsamen laut diabinfo.de die Aufnahme von Zucker aus dem Darm ins Blut. Im Saft fehlen sie fast ganz, bei der Kiwi zum Beispiel 0,4 g statt 3,9 g je 100 g (Kiwi im Lexikon). Mehr zu Saft und Gesundheit allgemein unter Ist Entsaften gesund?.

Glykämischer Index von Saft

Der glykämische Index (GI) zeigt, wie stark ein Lebensmittel den Blutzucker im Vergleich zu Traubenzucker anhebt. Die internationalen GI-Tabellen von 2008 nennen:

Lebensmittel GI
Apfel, roh 36
Apfelsaft 41
Orange, roh 43
Orangensaft 50

Der Saft liegt jeweils etwas höher als die Frucht. Vorsicht beim Lesen: Der GI sagt nichts über die Menge. Ein Glas Saft enthält den Zucker aus mehreren Früchten, und die Tabellen beruhen vor allem auf Messungen an Menschen ohne Diabetes. Gemüsesäfte fehlen in der Übersichtstabelle. Hoch liegt laut denselben Tabellen rohe Wassermelone mit einem GI von 76, mehr dazu unter Melone. Wie dein Blutzucker auf einen Saft reagiert, zeigt am ehesten die eigene Messung, besprich das mit deinem Diabetesteam.

Was wir nicht empfehlen

Saft gegen Durst gehört nicht dazu. Das BZfE rät allgemein, Fruchtsaft nur in Maßen zu trinken, und diabinfo.de empfiehlt statt zuckergesüßter Getränke Wasser oder ungesüßten Tee.

Von „blutzuckersenkenden“ Zutaten im Saft lassen wir die Finger. Für rohe Kartoffeln oder Ingwer haben wir keine belastbaren Belege gefunden, und für Zimtkapseln schreibt die Verbraucherzentrale, dass eine Wirkung auf den Blutzucker nicht belegt ist. Auch Sternfrucht ist kein Hausmittel gegen Diabetes, eine Übersichtsarbeit von 2018 rät ausdrücklich davon ab. Die Gründe stehen unter Sternfrucht und Nieren.

Eine Saft- oder Detoxkur machst du nicht ohne Rücksprache. Die DGE schreibt zu Entgiftungskuren, dass sie nicht ohne ärztliche Aufsicht laufen sollten, und wer Medikamente nimmt, holt sich vorher ärztlichen Rat.

Häufige Fragen

Welcher Saft ist für Diabetiker geeignet?

Eine Empfehlung für einen bestimmten Saft geben die Fachstellen nicht. Gemüsesäfte wie Gurke, Spinat oder Tomate haben laut BLS deutlich weniger Zucker als Apfel- oder Orangensaft. Fruchtsaft zählt zum freien Zucker, von dem höchstens rund 50 g am Tag empfohlen sind.

Zählt frisch gepresster Saft als Obstportion?

Nach den aktuellen DGE-Empfehlungen nicht. Saft kommt zu den fünf Portionen Obst und Gemüse dazu: Im Lauf der Woche können es zusätzlich zwei Gläser à 200 ml sein.

Ist ein Smoothie für Diabetiker besser als Saft?

Ein Smoothie behält die Ballaststoffe, die den Zuckeranstieg bremsen können. Er enthält aber genauso viel Zucker wie das Obst darin. Mehr dazu unter Entsafter oder Mixer?.

Warum hilft Saft bei Unterzuckerung?

Weil der Zucker im Saft schnell ins Blut geht. diabinfo.de nennt Fruchtsaft deshalb als Sofortmaßnahme bei Unterzuckerung, neben Traubenzucker.

Dieser Text ist kein medizinischer Rat und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du Diabetes hast, sprich Änderungen an deiner Ernährung mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deinem Diabetesteam ab, vor allem wenn du Insulin oder andere blutzuckersenkende Medikamente nimmst.